Gute Bildungsangebote brauchen mehr als gute Zahlen

Aktualisiert: 19. Mai 2020




Warum qualitative Evaluation in der Weiterbildung immer mehr an Bedeutung gewinnt

Wenn Sie schon einmal Teilnehmer*in bei einer Weiterbildung waren, haben Sie eventuell einen Fragebogen in die Hand gedrückt bekommen, in dem Sie die Fortbildung inhaltlich und strukturell bewerten sollten. Meist sind diese sogenannten Evaluationsbögen kurz und knackig gehalten und somit schnell "abzuarbeiten". Vielleicht haben Sie sich damals Zeit gelassen und versucht so wahrheitsgemäß wie möglich zu antworten, vielleicht waren Sie aber auch in Eile und haben die Kreuzchen schnell nach dem erstem Gefühl gesetzt.


Auch bei digitalen Fortbildungsformaten können wir sehr strukturiert messen, wie das Bildungsangebot genutzt und angenommen wird. Durch breite Analyseoptionen wie zum Beispiel Klickraten, Verweildauer auf einer bestimmten Seite und getätigte Downloads erhalten wir jede Menge zahlenorientierte Daten, die uns Hinweise zur Attraktivität unseres Bildungsangebots geben können. Zudem gibt es bei den meisten Online-Lernplattformen die Option, entsprechende Evaluationsbögen einzubinden.


Evaluationsbögen im Rahmen von Fortbildungen sind meist quantitativ angelegt, beruhen also auf zahlenorientierten Ergebnissen. So weit, so gut. Es wäre jedoch ein Trugschluß zu glauben, dass wir so die Qualität eines Bildungsangebots ausreichend messen und somit sichern können. Quantitative Daten geben uns vor allem Hinweise auf extreme Werte. Das bedeutet, wir erkennen durch das regelmäßige und konstante erheben dieser Daten, wenn etwas besonders gut oder besonders schlecht angenommen beziehungsweise beurteilt wird. Das ist wichtig, da wir so relevante Qualitätsaspekte im Blick haben und auf das Feedback der Lernenden reagieren können. Wir setzen hier jedoch voraus, dass wir an alles gedacht haben, was zur Qualitätssicherung und -entwicklung relevant ist. In vielen Fällen wissen wir das aber gar nicht so genau.


Vor Konzeption eines jeden Bildungsangebots sollte eine umfassende Zielgruppenanalyse stattfinden. Die Zielgruppen werden entsprechend zu ihren spezifischen Bedarfen und Wünschen befragt. Das Angebot sollte auf dieser sowie auf aktueller wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut werden. Sind wir dann nicht schon von Anfang an auf der sicheren Seite? Wer das glaubt, vergisst, dass sich Bedarfe und Wünsche manchmal schneller ändern können, als uns das lieb ist. Gesellschaftliche Veränderungen und Neuerungen haben oftmals großen Einfluss auf unsere Zielgruppen. Wir müssen also aktiv Augen und Ohren offen halten.


Wenn uns also quantitative Ergebnisse einen Hinweis liefern, dass Veränderungen eingetreten sind, müssen wir diesen Veränderungen auf den Grund gehen. Wir sollten demnach nicht nur beobachten, was passiert, sondern auch herausfinden, warum es passiert. Zur Qualitätsentwicklung und stetigen Verbesserung unseres Bildungsangebots ist es somit wichtig, qualitative Evaluationsmethoden wie Interviews und Gruppendiskussionen mit der Zielgruppe, aber auch Videoanalysen von bestehenden Fortbildungen in unser Evaluationskonzept mit einzubinden. Nur so können wir adäquat auf Bedarfe unserer Zielgruppen reagieren und wirkungsvolle Bildungsangebote gestalten.


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