Die wirklichen Fragen hinter der digitalen Bildungsrevolution

Aktualisiert: 19. Mai 2020



Wie wir die Chancen der Digitalisierung nutzen sollten, um unser Bildungssystem tatsächlich zu verbessern

"Digitale Kompetenz" ist schon fast ein Modewort geworden. Viele fragen sich, was eigentlich damit gemeint ist. Definitionen und Erklärungsversuche sprießen aus dem Boden. Gelder zur "Herstellung" der digitalen Kompetenz werden für Schülerinnen und Schüler wie auch für Lehrende bereit gestellt. Aber ist das wirklich der entscheidende Schritt in Richtung Zukunft?


Sir Ken Robinson hatte schon vor knapp 10 Jahren eine klare Antwort: Wenn unser Bildungssystem digital transformiert werden soll, geht es nicht um die Produktion eines digitalen Klons der analogen Welt. Es geht vielmehr darum, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen und Bildungsumgebungen zu schaffen, in denen Menschen ihre eigenen Lösungen entwickeln können. In Ihrem Tempo und gemäß Ihrer Talente.



Dazu müssen vor allem zwei Dinge, die wir bisher als selbstverständlich hinnehmen, infrage gestellt werden:


1. Ist Linearität in der Bildung zeitgemäß?


Unser Bildungssystem suggeriert an vielen Stellen, dass man eine gewisse Bahn durchlaufen, Schritt für Schritt vorankommen und Wege von Anfang bis Ende gehen muss. Erst dann ist man bereit für das, was danach kommt. Die Gesellschaft sieht den Gipfel der Bildung darin, einen möglichst geradlinigen Bildungsweg zu durchlaufen und einen möglichst hohen Bildungsabschluss zu erlangen.


Daran ist per se nichts Falsches. Doch das Leben ist nicht linear, sondern organisch. Wir entdecken und entfalten unsere Talente in Beziehung zu den Lebensumständen, in denen wir uns befinden. Dafür ist es wichtig, dass jede Person sich entsprechend der eigenen Interessen und Talente unabhängig eines von außen vorgegebenen Bildungswegs weiterentwickeln kann.


2. Haben Lernende genug Raum, Ihre Talente zu entdecken und zu entfalten?


Schaut man sich unsere Gesellschaft etwas genauer an, verbringen viele Menschen ihr ganzes Leben, ohne jemals ihre eigenen Talente kennen zu lernen. Bildung sollte diese Talente zum Vorschein bringen und förderbar machen - in jedem Lebensabschnitt.

Menschliche Talente, die wie viele natürliche Ressourcen meist nicht offensichtlich "herumliegen", wollen entdeckt werden. Unser Bildungssystem muss also Bedingungen schaffen, unter denen sich diese Talente zeigen können. Die Digitalisierung kann uns hierbei entscheidend helfen.

Ein erneuertes Bildungssystem


Unser aktuelles Bildungssystem gleich einem industriellen Modell. Es basiert auf Linearität und Anpassung. Aber die Entwicklung von Talenten ist kein mechanischer, sondern ein organischer Prozess und ähnelt eher den Prinzipien der Landwirtschaft. Das "Aufblühen" von Menschen und deren Entwicklung kann nicht genau vorhergesagt werden. Dennoch können die Umstände so gestaltet werden, dass Talente den Nährboden bekommen, den sie benötigen, um zu wachsen.


Wenn wir also von Digitalisierung der Bildung sprechen, dann müssen wir erkennen, welche Chancen uns die digitale Welt wirklich bietet. Es geht nicht um weniger als darum, eine gänzlich neue Bildungswelt zu schaffen, in der Menschen, so unterschiedlich sie sind, sich selbst weiterentwickeln können. Eine echte Bildungsrevolution!

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